13. September 2006

Betriebliche Altersvorsorge wird kaum genutzt

Seit 4 Jahren sind Deutschlands Unternehmen verpflichtet, ihren Mitarbeitern eine Variante der betrieblichen Altersvorsorge anzubieten. Die wenigsten Arbeitnehmer haben dieses Angebot jedoch bisher genutzt, obwohl es Unternehmen und Angestellten gleichermaßen nutzen kann.

Der Rückgang der gesetzlichen Rente ist kaum noch aufzuhalten. Den meisten Arbeitnehmern scheint jedoch nicht bewusst zu sein, wie tief die Einschnitte wirklich sein werden. Dabei lässt sich die Abgabelast an Steuern und Sozialabgaben gerade durch das Sparen fürs Alter senken. Die nötigen Formulare für die betriebliche Altersvorsorge hat trotzdem, selbst 4 Jahre nachdem diese Art des Rentensparens eingeführt wurde, nur knapp jeder dritte Arbeitnehmer unterschrieben. Dies ermittelte das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, mit einer Umfrage unter mehr als 2000 Unternehmen.

Dabei haben die Bundesbürger letztes Jahr mit 155 Milliarden Euro soviel gespart wie noch nie, errechnete die Postbank. Anstatt in die Altersvorsorge, floss ein großer Teil des neuen Vermögens jedoch auf Sparbücher und Festgeldkonten. Viele Beschäftigte schreckten zudem vor den verschiedenen Varianten der Betriebsrente zurück, oder hätten Angst bei einem Jobwechsel ihren Rentenanspruch zu verlieren, sagte Simone Leiber, Referatsleiterin für Sozialpolitik beim WSI.

Wer auf die betriebliche Altersvorsorge verzichtet, lässt sich möglicherweise jedoch viel Geld entgehen. Eine lukrative Möglichkeit des betrieblichen Alterssparens bietet beispielsweise die neuartige Anlage vermögenswirksamer Leistungen (VL). Die monatlichen Zahlungen daraus können Arbeitnehmer in eine moderne Betriebsrente investieren. Dadurch spart der Arbeitnehmer steuerfrei, und ist zudem bis zum Jahre 2008 sozialversicherungsfrei. Bei gleichem Nettoeinkommen fließen somit höhere Summen in die Altersvorsorge als bei anderen Anlageformen, deren Prämien aus versteuertem Einkommen gezahlt werden müssen.

Dadurch, dass bei anderen Investmentfonds die Rendite fressenden Sozial- und Kirchenabzüge gezahlt werden müssen, bleibt von der eigentlichen Summe unterm Strich nicht mehr viel übrig. Bei der betrieblichen Altersvorsorge kommt man um diese Abgaben herum, und hat zudem noch die Chance, weitere Teile des Bruttogehaltes in den Vorsorgestock einzuzahlen. Die Beträge, welche früher für Sozialabgaben verloren gingen, können somit zusätzlich in die Altersvorsorge investiert werden. Dadurch steigt das Finanzpolster für die Zukunft, ohne netto weniger Geld zur Verfügung zu haben.

Aber nicht nur Arbeitnehmer, sondern auch Unternehmen, haben etwas von der betrieblichen Altersvorsorge. Diese sparen durch die Entgeldumwandlung der vermögenswirksamen Leistung in eine Betriebsrente Lohnnebenkosten, und kommen außerdem ihrer Pflicht nach, überhaupt eine Variante der betrieblichen Altersvorsorge anzubieten. Vier Jahre nach der Rentenreform im Jahre 2001, haben laut dem WSI der Hans-Böckler-Stiftung erst 79 Prozent aller Unternehmen diese Vorschrift umgesetzt.

Angestellte ohne Angebote zur betrieblichen Altersvorsorge, sollten ihren Unternehmen deshalb die Umwandlung vermögenswirksamer Leistungen in eine Betriebsrente selbst vorzuschlagen. Als Ansprechpartner dient hierzu die Personalleitung oder die Geschäftsführung.


 
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